17.07.2019 / Blog

Anne und der Schwalbenschwanz

Mit Streuobstwiesen schafft juwi Zufluchtsorte für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten.

Zu jedem Wind- und Solarenergieprojekt gehören ökologische Ausgleichsmaßnahmen. Dadurch trägt der Ausbau erneuerbarer Energien nicht nur zum Klimaschutz bei, sondern leistet auch einen wichtigen Beitrag für den lokalen Natur- und Artenschutz. Eine ökologisch besonders wertvolle Maßnahme ist das Anlegen neuer Streuobstwiesen, wie es juwi nicht nur am Firmensitz, sondern auch an vielen anderen Projektstandorten getan hat. Warum Streuobstwiesen für den Natur- und Artschutz von zentraler Bedeutung sind, das haben wir Anne Stoepel, Faunistik- und Artenschutzexpertin für die Genehmigungsplanung von Windenergieprojekten bei juwi, gefragt.

Streuobstwiesen gehört heute zu den am stärksten gefährdeten Lebensräumen in Europa. Dabei erfüllen sie wichtige ökologische Funktionen. Warum sind Streuobstwiesen so wichtig?

Bis in die 1950er Jahre prägten Streuobstwiesen weite Teile unseres Landschaftsbilds und bildeten einen natürlichen Übergang von Siedlungsgebieten zu landwirtschaftlich genutzten Flächen. Damals lieferten die Streuobstwiesen den Menschen wichtige Nahrungsmittel. In Hessen und Rheinland-Pfalz überwiegend Äpfel. Die wurden gegessen, zu Saft gepresst, zu Marmelade gekocht oder eben zu Apfelwein oder Schnaps weiteverarbeitet. Mit den Flurbereinigungen in den 1960er und 70er Jahren und mit stärker werdender Zunahme der mechanisiert-intensiven Landwirtschaft verschwanden viele Streuobstwiesen – und mir ihr ökologisch hochwertiger artenreicher Lebensraum.

Dabei zählen Streuobstwiesen zu den artenreichsten Biotopen ganz Mitteleuropas. Sie bieten beste Voraussetzungen für eine hohe Artenvielfalt, da sie eben nicht intensiv landwirtschaftlich bearbeitet, nicht gedüngt und in der Regel auch nur ein- bis zwei Mal im Jahr gemäht werden. Dadurch kann keine Pflanzenart die andere dominieren. Vielmehr ermöglicht die Streuobstwiese ein Nebeneinanderexistieren zahlreicher Arten.

Dieses Nebeneinander vieler unterschiedlicher Pflanzenarten lockt natürlich zahlreiche Tierarten an: Insekten, kleine Säugetiere, Amphibien und Reptilien und natürlich Vögel. Gerade in Streuobstwiesen mit Altbaumbestand findet man verstärkt höhlenbrütende Vogelarten, wie etwa den Steinkauz. So kommt es vor, dass auf einer Streuobstwiese durchaus – je nach Standort – mehr als 5.000 Tier- und Pflanzenarten leben können. Gerade in dicht besiedelten Gebieten, wie hier im Gewerbegebiet Wörrstadt, das zudem noch umgeben ist von intensiv bewirtschafteten landwirtschaftlichen Flächen, werden Streuobstwiesen zu wichtigen Zufluchtsorten für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten.

Typische Pflanzenarten auf der juwi-Streuobstwiese sind Wiesensalbei, Schafgarbe, Hornklee, Echtes Labkraut sowie Wilde Möhre und Wiesenschaumkraut. Die Blütenpracht einer solchen Wiese garantiert, wenn sie nur wenige Male im Jahr gemäht wird, den ganzen Sommer hindurch eine große Anzahl von Insektenarten. Besonders auffällig sind die vielen Schmetterlinge, wie Tagpfauenauge, kleinen Fuchs, Aurorafalter, Schwalbenschwanz, kleiner Feuerfalter und verschiedene Bläulingsarten. Aber auch die Kreuzspinne, die blauflügelige Ödlandschrecke, den Feld-Sandläufer, das große Heupferd und die Ackerhummel haben wir auf unseren Streuobstwiesen schon nachweisen können. Da die Wiese einen kleinräumigen Wechsel aus sonnigen und schattigen Flächen, trockenen und feuchten Stellen aufweist, ist sie zudem attraktiv für Blindschleichen. An den angelegten Teichen auf dem Unternehmensgelände finden sich zudem Erdkröten und Grasfrösche, die hier teilweise in Erdlöchern und Höhlen überwintern.

Auch viele Vogelarten, wie etwa Meisen, die Elster, der Stieglitz, die Misteldrossel aber auch Tauben, Kleiber und Stare finden vor allem im Frühjahr in den Obstbäumen einen Lebensraum. Die im Herbst herabfallenden Früchte sind eine wichtige Nahrungsquelle für Durchzügler wie Wachholderdrossel und Rotdrossel und den Wanderfalter Admiral, einer der auffälligsten Schmetterlinge unserer heimischen Flora. Daher ist es wichtig, viele neue dieser artenreichen grünen Oasen anzulegen und sie möglichst lange zu hegen. Schließlich braucht es Jahre bis Streuobstwiesen ihre ökologische Funktion vollständig erfüllen können. Zum Glück erleben wir aktuell ein Rückbesinnen auf den kulturhistorischen Wert von Streuobstwiesen und immer mehr Menschen legen neue Streuobstwiesen an.


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