22.04.2020 / Blog, Wind, Natur

Windenergie: Weiteres Standbein für Forstbetriebe

Der Wald in Deutschland leidet zunehmend unter den Folgen des Klimawandels. Als Standort für Windenergie-Anlagen hat er aber das Potenzial, diesem entgegenzuwirken.

Für Waldbesitzer ergibt sich zudem die Chance, die finanziellen Risiken bei der klimagerechten Umgestaltung ihres Forsts zu reduzieren. Wir haben Markus Pauly, Projektentwicklungsexperte bei juwi, gefragt, warum Wirtschaftswälder in den Fokus von Windparkplanern rücken und wie die Partizipations-
möglichkeiten für Waldeigentümer sind.

Gerade die deutschen Mittelgebirge bieten mit ihren windstarken Höhenlagen im Zusammenspiel mit der aktuellen Anlagengeneration beste Bedingungen für eine ertragreiche Windernte. Zudem haben Waldstandorte den Vorteil, dass sie in der Regel eine größere Distanz zur nächsten Ortsbebauung aufweisen. Das sorgt natürlich für ein deutlich reduziertes Konfliktpotenzial bei den genehmigungsrelevanten Themen Schall und Schattenwurf. Zum anderen gehören gerade die süd- und südwestdeutschen Bundesländer Rheinland-Pfalz, Saarland, Baden-Württemberg und Bayern nun einmal zu den Ländern mit den höchsten Waldanteilen gemessen an ihrer Landesfläche. Wenn diese Bundesländer den nationalen Klimaschutzzielen gerecht werden wollen, dann geht dies nur über die Ausweisung geeigneter Flächen für die Windenenergie, und hierzu zählen eben auch Wirtschaftswälder – vorzugsweise Nadelholzreinbestände oder vorgeschädigte Flächen.

Vertrocknete Bäume, Schädlingsbefall, Waldbrände – Gerade die vergangenen beiden Trockenjahre haben dem Wald und den Forstbetrieben zugesetzt. Aber auch in diesem Frührjahr kam es bereits zu ersten Waldbränden. Viele Forstbetriebe stehen daher vor hohen finanziellen Herausforderungen und müssen sich einnahmenseitig neu aufstellen. Hier kann die Windenergie weiterhelfen: Denn sie bietet durch verlässliche Pachteinnahmen die Chance, das finanzielle Risiko beim anstehenden klimagerechten Waldumbau zu reduzieren. Sie hilft Waldbesitzern dabei, den Forstbetrieb auf weitere Standbeine zu stellen, in dem sie deren Einnahmeseite planbar und zuverlässig verbessert. Die Pachthöhe variiert hierbei natürlich von Standort zu Standort und ist an das Windaufkommen gekoppelt, in Süddeutschland sind aber je nach Standortbedingung zwischen 25.000 und bis über 70.000 Euro pro Anlage und pro Jahr an Pachtzahlungen möglich.

Kommt es dann zum Abschluss eines Pachtvertrags, der in der Regel eine Laufzeit von 25 Jahren hat, kümmert sich juwi um die weitere Abstimmung mit den zuständigen Ämtern und Behörden, um die frühzeitige Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger aus den Standortgemeinden und die Kommunikation zur Lokalpolitik. Um ein Maximum an Transparenz herzustellen, wählen wir das so genannte förmliche Genehmigungsverfahren mit Öffentlichkeitsbeteiligung. Im Anschluss hieran folgt die Beauftragung der Gutachten. Am umfangreichsten sind aber der Umweltverträglichkeits-Bericht, die faunistischen Gutachten, die in der Regel ein Jahr dauern, und der landschaftspflegerische Begleitplan mit der dazugehörigen Ausgleichsflächenplanung. Sind die Antragsunterlagen vollständig, werden sie von der zuständigen Behörde gemäß den Anforderungen des Bundesimmissionsschutzgesetz geprüft, öffentlich ausgelegt und gegebenenfalls im Rahmen eines öffentlichen Erörterungstermins diskutiert. Liegt die Genehmigung vor, muss das Projekt noch in eine der Ausschreibungsrunden der Bundesnetzagentur. Wird es dort bezuschlagt, kann in der nächsten Holzeinschlagsperiode mit dem Bau begonnen werden.

Wird der Betrieb eines Windrades nach der Betriebsphase endgültig eingestellt, muss die Anlage vollständig abgebaut werden. Unsere Verträge sehen auch den Rückbau des kompletten Fundaments verpflichtend vor. Hierzu wird eine Rückbaubürgschaft vor Baubeginn zu Gunsten der Genehmigungsbehörde in ausreichender Höhe hinterlegt. Die Summe variiert je nach Landesregelung. So ist sichergestellt, dass jederzeit Geld für den Rückbau zur Verfügung steht.
 


Back to list

More topics

BlogWind

Newest article

Prieska Solar Plant

Largest solar plant built by juwi more